Exkursion "WENDELSTEIN"
nach Greifswald am 24./25.Oktober 2001
Programm
Mittwoch, 24.10.01
Donnerstag, 25.10.01
Bericht und Fotos
Am 24./25.10.01 veranstaltete die Sektion Sachsen ihren diesjährigen Höhepunkt mit der Exkursion zum Fusionsexperiment "WENDELSTEIN 7-X" des Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) und der Besichtigung des Rückbaustandorts Greifswald-Lubmin.
Das Experiment "WENDELSTEIN 7-X", das gegenwärtig im Garchinger IPP vorbereitet wird, hat die Aufgabe, die Kraftwerkseignung von Fusionsreaktoren des Typs "Stellarator zu zeigen. Der Standort des Experiments ist das 1994 gegründete Teilinstitut in Greifswald (z.Z. ca. 150 Mitarbeiter). Ziel der Fusionsforschung ist es, die in der Sonne ablaufenden Prozesse auf der Erde nachzuvollziehen. Dabei soll Energie aus der Verschmelzung von Deuterium und Tritium gewonnen werden. Die hierfür nötige Aktivierungsenergie wird durch Aufheizung eines Plasmas auf über 100 Millionen Grad zugeführt. Im "Stellarator" wird das Plasma durch Magnetfelder eingeschlossen, die außerhalb des Plasmabereichs erzeugt werden. Damit unterscheidet sich dieser Reaktor vom sogenannten "Tokamak", in dem das durch den im Plasma selbst fließenden Strom entstehende Magnetfeld wesentlich für den Einschluß verantwortlich ist. Der Stellarator hat sich gegenüber dem Tokamak jedoch bisher nicht durchsetzen können, da große Instabilitätsprobleme auftreten. Genau an dieser Stelle setzt das Experiment WENDELSTEIN 7-X an, bei dem eine wesentliche Verbesserung der Plasmastabilität durch eine optimierte Gestaltung des magnetischen Einschlusses angestrebt wird, die den Stellarator letztlich konkurrenzfähig machen soll (Vorexperiment).
Anlässlich der EXPO 2000 in Hannover wurde ein 1:1 Modell der zukünftigen Anlage aufgebaut, das besichtigt werden konnte. Leider war in den Hallen von der eigentlichen Anlage noch nichts zu sehen. Einige Eckparameter sind die Größe mit 15 m Durchmesser, die Masse mit 550 t, das Magnetfeld mit 3 Tesla und die Entladungsdauer bis zu 30 min. Mit dem Beginn der Experimente ist ca. 2005 zu rechnen.
Wir danken Herrn Niedermeier für seinen Einführungsvortrag und die Besichtigung des Hauses und der zukünftigen Anlage.
Der anschließende Rundgang durch Greifswald spiegelte den erstaunlichen Sanierungsfortschritt der alten, ehrwürdigen Gemäuer der Stadt wider. Der Abend klang dann mit hervorragender Küche in der Gaststätte "Fischerhütte" in Wieck gemütlich aus.
Am 25.10. besuchten wir (Foto 1, Foto 2)den Standort Energiewerke Nord GmbH bei Rubenow/Lubmin. Bei dem Rückbau des Kernkraftwerks Lubmin handelt es sich um das weltweit größte Vorhaben dieser Art. Weiterhin wird am Standort das "Zwischenlager Nord" (ZLN) betrieben. Dank des ausführlichen Einführungsvortrages von Hrn. Meurer erhielten wir einen schnellen und guten Überblick über den Stand der Arbeiten und die Geschichte des Kraftwerks.
Hier wurde 1973 der erste von 8 geplanten Blöcken des russischen Druckwasserreaktors WWER-440 in Betrieb genommen. Die Wiedervereinigung Deutschlands führte schließlich dazu, den Antrag zur Stilllegung und zum Abbau des KKW’s einzureichen, nachdem der Leistungsbetrieb der Blöcke 1 – 4, der Probebetrieb des Blockes 5 eingestellt und die Bauarbeiten an den Blöcken 6 - 8 abgebrochen wurden. 1995 wurde die Genehmigung erteilt und mit dem Rückbau begonnen.
Der Block 6 war zum Zeitpunkt des Stilllegungsbeschlusses bereits nahezu fertiggestellt, war aber nie in Betrieb gegangen. Dadurch bot sich die Möglichkeit, die Anlagen des Primärkreislaufs komplett als Museum zugänglich zu machen. Wir konnten die sonst schwer oder für Besucher gar nicht zugänglichen Räume, in denen sich Komponenten wie die Dampferzeuger oder die Druckhalter befinden, von oben bis unten besichtigen. Höhepunkt war der hautnahe Kontakt mit dem Reaktordruckbehälter. So etwas live zu erleben, ist halt immer etwas besonderes und auf jeden Fall einen Besuch wert! Unsere vielen Fragen konnten uns die Begleiter Hr. Bienert und Hr. Tews umfassend beantworten – vielen Dank auch an sie.
Das Zwischenlager Nord ist zentraler Baustein des Entsorgunskonzeptes und dient der Aufbewahrung der vorhandenen Kernbrennstoffe und zur Zwischen- und Abklinglagerung der anfallenden radioaktiven Stoffe. Das ZLN konnte 1996 - gleich nach der Stilllegungsgenehmigung des KKW - in Betrieb genommen werden. Das ca. 200 m lange Gebäude besteht hauptsächlich aus 8 Lagerhallen, einer Verladehalle und einem Konditionierungsbereich für radioaktive Abfälle. In der Halle 8 stehen derzeit 18 CASTOR-Behälter; weitere Hallen beinhalten Pufferlager für zu zerlegende Großkomponenten und Container aller Art sowie die Landessammelstelle von Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg.
Die Zukunft des Standorts wird durch folgende Eckdaten charakterisiert:
Bestimmend für den zeitlichen Ablauf des Rückbaus ist die Entsorgung des Kernbrennstoffes (mit der Verbringung von über 5000 Brennelementen in 68 CASTOR-Behälter). Die Gebäude sollen danach bis 2009 von allen radioaktiven Reststoffen befreit; die entsprechenden Gebäudestrukturen 2012 beseitigt sein.
Mit der Ansiedlung von Energie- und Industriebetrieben soll der Standort "Lubminer Heide" wiederbelebt werden. Geplant sind der Bau von Gaskraftwerken, Ansiedlung von groß- und mittelständigen Betrieben und ein internationales Holzindustrie-Projekt.
Alles in allem war die Exkursion wieder eine sehr gelungene und interessante Veranstaltung. Wir wünschen den Wissenschafts- und Industriestandorten in ihrer Entwicklung viel Erfolg und für den Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätzen in dieser Region ein goldenes Händchen.
Letzte Änderung: 16. November 2001
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