Pressemitteilung der KTG für

atw 47, (2002), Heft 1 - Januar, S. 60

Atomgesetznovelle verhindert nachhaltige Energiepolitik

Der im November von Bundeswirtschaftsminister Dr. Werner Müller veröffentlichte Energiebericht mit dem Titel "Nachhaltige Energiepolitik für eine zukunftsfähige Energieversorgung" zeigt drastisch, dass der Bundesregierung gangbare Optionen für eine umweltgerechte Energieversorgung fehlen. Die Grundaussage lautet: Ausstieg aus der Kernenergie + Klimaschutz = Absturz der deutschen Wirtschaft. Nur wenn man sich anstelle der angestrebten Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 um 40 % gegenüber 1990 auf lediglich 16 % beschränkt, kann eine wirtschaftlich gerade noch vertretbare Energieversorgung gesichert werden. Dabei wird jedoch besonders zwischen 2010 bis 2020 nur noch eine CO2-Minderung von gerade mal 1 % erreicht. Diese Stagnation wird durch die sich dann häufenden Reaktorabschaltungen verursacht - Deutschland wird klimapolitisch zum Schlusslicht. Wie es danach weitergehen soll, ist völlig unklar, denn 2020 wird es trotz des Ausstiegsbeschlusses noch ca. 10 % Kernenergieanteil (heute über 30 %) geben, die bis 2025 noch zu ersetzen wären. Dies bedeutet weitere 50 Millionen Tonnen CO2 jährlich anderweitig abzufedern - doppelt soviel, wie nach der freiwilligen Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft allein durch Erhalt, Modernisierung und Zubau von KWK-Anlagen von heute bis 2010 eingespart werden soll (Ziel: 23 Millionen Tonnen pro Jahr).

Die Regierung befindet sich in der Energiepolitik in einer Sackgasse. Dabei liegt die Lösung auf der Hand: Man eliminiere die Randbedingung, die in beiden Szenarien das Problem verursacht - den Ausstieg aus der Kernenergie. Mit der aktuell zur Debatte im Parlament anstehenden Atomgesetznovelle will die Regierung jedoch den Fehler des Atomausstiegs zementieren. Die Kerntechnische Gesellschaft tritt für einen ausgewogenen Energiemix unter Einschluss der Kernenergie als umweltschonende, klimaneutrale Energiequelle ein. Nur so und zusammen mit einem wirtschaftlich vertretbaren Ausbau der regenerativen Energiequellen, einem verminderten Einsatz von Kohle mit CO2-reduzierter Technik und einem ausgewogenen Ausbau der Erdgasverstromung lassen sich Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz unter einen Hut bringen. Ein solches Szenario ließ Minister Müller jedoch in treuem Gehorsam gar nicht erst untersuchen.

Bonn, 13.12.2001
Ansprechpartner: Dr.-Ing. Horst-Michael Prasser