Der MDR hat am 18.04.2006 im Sachsenspiegel in einem "Tschernobyl-Themenabend" mit dem Titel "Das Leben nach Tschernobyl - Zwischen Panikmache und Verharmlosung" Ausschnitte aus einem Interview mit mir gesendet, in dem durch selektiven Schnitt nur noch die Aussagen enthalten sind, die sich auf die Verstöße des Betriebspersonals als Unfallursache beziehen. Ich möchte unterstreichen, dass ich in dem Interview dargelegt habe, dass die Leistungsexkursion, die den Reaktor zerstörte, nur durch Verquickung gravierender Fehlhandlungen des Personals mit den Auslegungsmängeln des RBMK stattfinden konnte. Weder die Fehlhandlungen, noch die Auslegungsfehler allein hätten das bewirken können. Ich habe in einem kurzen zweiminütigen Vortrag die physikalischen Gründe in einer populärwissenschaftlichen Weise erläutert und auch gezeigt, warum das bei einem Leichtwasserreaktor ohne Graphit als Moderator, wie er z.B. in allen deutschen Kernkraftwerken betrieben wird, nicht passieren kann. Trotz der Kürze wurde dieser Teil verworfen, obwohl in der Anbahnung des Interviews eine fachliche Erläuterung der Unfallursache vom federführenden Reporter, Herrn Günter vom MDR, ausdrücklich gewünscht wurde. Dies wurde als Grund für das Interview angegeben. Meine Aussagen, ich hätte kurz nach der Katastrophe keine Erklärung für Ursachen gehabt und mir nicht vorstellen können, dass die Betriebsmannschaft so extrem gegen Betriebsvorschriften verstoßen hatte, wurden aus dem Zusammenhang gerissen.
Die Vermutung liegt nahe, dass der Eindruck geweckt werden soll, menschliches Versagen allein hätte die Katastrophe herbeigeführt, die sich deshalb zu beliebiger Zeit in jedem Kernkraftwerk wiederholen könne. Dies entspricht jedoch aus physikalischen Gründen nicht der Realität. Es ist auch nicht richtig, dass die Ursachen des Strörfalls bis heute ungeklärt seien und es sich in Tschernobyl um einen "gutmütigen Reaktor" handelte, der in Sachen Sicherheit dem damals weltweit annerkannten Stand der Technik entsprach. Diese Verdrehung der Realität durch den Kommentator der Sendung, Herrn Schneider, führt zur weiteren Verunsicherung des Zuschauers. Alles in allem drängt sich auf, dass hier bewusst manipuliert wurde.
H.-M. Prasser
Letzte Änderung: 26.04.2006
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