20 Jahre KTG in Berlin/Brandenburg/Greifswald und Sachsen, 09.03.2010

In den vergangenen Wochen - 20 Jahre nach der friedlichen Wiedervereinigung unseres Landes - häuften sich die mehr oder weniger gravierenden Erinnerungs- und Gedenkbeiträge. Nicht vergessen sei dabei der 20. Jahrestag der Gründung der Kerntechnischen Gesellschaft im Osten Deutschlands, die im April 1990 in Dresden stattfand.

Neben den weit über 100 Fachkollegen und studentischen Teilnehmern von der TU Dresden nahmen auch Ehrengäste aus der Bundesrepublik Deutschland, unter ihnen der Vorsitzende der KTG Herr Dr. Weinländer, der Präsident des Deutschen Atomforums Herr Dr. Berke und Herr Dipl.-Ing. Wild vom Informationskreis Kernenergie, teil.

Im Auftrag des Rektors der TU Dresden erinnerte Herr Prof. Dr. Schramm in seiner Begrüßungsansprache daran, dass die Gründung der KTG der DDR an der TU Dresden auch als eine Fortführung der dem technischen Fortschritt verpflichteten historischen Tradition dieser Forschungs- und Bildungseinrichtung verstanden werden sollte.

Herr Dr. Weinländer ging in seinen Grußworten auf die künftigen Aufgaben der KTG zur Förderung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts ein und stellte das Wirken in der Öffentlichkeit für einen gesellschaftlichen Konsens zur Kernenergie in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.

Herr Prof. Dr. Flach, Direktor des ehemaligen ZfK Rossendorf, belegte in seinem Vortrag mit überzeugendem Zahlenmaterial, dass die ökologischen und ökonomischen Probleme ohne den weiteren Ausbau der kernenergetischen Basis nicht lösbar sind, und Herr Dipl.- Ing. Wild verwies zwar auf die widersprüchlichen Probleme, aber auch auf die Chancen der weiteren Kernenergienutzung.

Erster Vorsitzender der KTG der DDR wurde Herr Prof. Dr. Flach.

Die Gründung der Kerntechnischen Gesellschaft im Osten Deutschlands war verbunden mit der Hoffnung und dem Willen zur Weiterführung der Forschung, Lehre und Anwendung der Kernenergie mit neuen Möglichkeiten. Dabei gab es viele Illussionen und Enttäuschungen. Aber die Kerntechnische Gesellschaft hat letztendlich dazu beigetragen, dass die kerntechnische Kompetenz im Osten Deutschlands unter Nutzung einer großen Zahl erfahrener und tatkräftiger Leistungsträger erhalten und sogar ausgebaut wurde.

Durch die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurde es möglich, dass sich beide Kerntechnische Gesellschaften in Deutschland zusammenschließen konnten. Der Vorstand der KTG der DDR fasste am 04.10.1990 einen entsprechenden Beschluss.

Auf der Mitgliederversammlung der KTG der DDR am 17. 10. 1990 in Dresden wurde der Beschluss gefasst, die Vereinigung der KTG der DDR mit der KTG durch Beitritt ihrer Mitglieder zur KTG und die Auflösung der KTG der DDR zum Jahreswechsel herbeizuführen.

Am 29.11.1990 hat dann der Vorstand auf seiner Sitzung in Rheinsberg Festlegungen über weitere Modalitäten zur Auflösung und Überleitung der KTG der DDR getroffen, u.a. in den neuen Bundesländern zunächst zwei Regionalsektionen zu gründen, nämlich die Regionalsektion „Süd“ (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) und die Regionalsektion „Nord“ (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg- Vorpommern).

In dieser Phase von der Gründung der KTG der DDR bis zu seiner Vereinigung mit der KTG zählten neben dem Vorsitzenden auch die Herren Prof. Dr. sc. techn.  E. Adam, Dr. J. Knorr, Dipl.-Ing. J. Kraemer und Prof. Dr. sc. techn. J. Steinkopf zu den „Pionieren der ersten Stunde“. Der Prozess wurde mit großem Engagement durch die Herren Dr. P. Haug, Dipl.-Ing. K. Orth und Dr. T. Roser unterstützt.

Nachfolgend entstanden die Ortssektionen Sachsen mit dem Zentralinstitut für Kernforschung Rossendorf, aus dem das Forschungszentrum Rossendorf sowie der VKTA hervorgingen, der Hochschule Zittau-Görlitz und der TU Dresden als Standorte mit langjährigen kerntechnischen Traditionen sowie Berlin/Brandenburg/Greifswald mit den Kernkraftwerken Rheinsberg und Greifswald, dem Hahn-Meitner-Institut, der FU Berlin und dem Kraftwerksanlagenbau Berlin als Kompetenzzentren.

In der Folgezeit erwarben sich bei der Entwicklung der Ortssektion Sachsen die Herren Prof. Dr. J. Knorr, Prof. Dr. W. Lischke sowie Prof. Dr. H.-M. Prasser und bei der Entwicklung der Ortssektion Berlin/Brandenburg/Greifswald die Herren Prof.  Dr. K. Becker, Dipl.-Ing. J. Kraemer, Prof. Dr. J. Leonhardt und Prof. Dr. G. Marx große Verdienste.

Heute besteht mit dem Kompetenzverbund Ost, zu dem die TU Dresden, das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf, die Hochschule Zittau-Görlitz und der VKTA gehören, ein zukunftsträchtiges Potential für die Kernenergie. Nach der Wiederbesetzung der kerntechnischen Professur an der TU Dresden studierten im zweiten Jahr bereits mehr als 100 Studenten; auch der AKR-2 Ausbildungs-Reaktor an der TU Dresden ist wieder auf dem neuesten Stand.

Im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf wurde eine „Europäische Plattform für Flüssigmetallexperimente“ mit erheblicher finanzieller Unterstützung des Landes Sachsen geschaffen.

Unternehmen mit kerntechnischen Anlagen im Raum Berlin-Brandenburg-Greifswald sind die Energiewerke Nord GmbH, die sich auf dem Gebiet der Stilllegung von Nuklearanlagen zu einem Kompetenzzentrum entwickelt haben. Neben dem Rückbau der Kernkraftwerke Greifswald und Rheinsberg wurden die Energiewerke Nord 2003 mit der Umsetzung des internationalen Projektes zur Entsorgung der stillgelegten Atom-U-Boote im Gebiet Murmansk beauftragt.

Mit dem wissenschaftlichen Potential in Greifswald wurde das Max-Planck-Instut für Plasmaphysik in Greifswald eingerichtet, das sich mit der Grundlagenforschung für die Fusionstechnologie befasst.

Die GRS mit ihrem Standort Berlin richtet ihre Aktivitäten zunehmend auf die internationale Zusammenarbeit aus und unterstützt durch Know-how-Transfer nicht zuletzt auch Behörden und Einrichtungen Osteuropas.

Eine Reihe von Gesellschaften, Vereinen und Wirtschaftsverbänden mit kerntechnischer Ausrichtung haben zwischenzeitlich ihren Hauptsitz nach Berlin verlegt, um ihren Einfluss und ihre Wirkung auf politische Entscheidungen zu erhöhen wie z.B. das DAtF, die KTG, der WKK.

Udo Helwig, Ortssektion Sachsen
Jürgen Kozyk, Ortssektion Berlin/Brandenburg/Greifswald
Letzte Änderung: 29. Juni 2010

Senden Sie Kommentare und Anregungen bitte an S. Kowe