Castor, Castor, du musst wandern....

Die wichtigsten FNAQs (frequently non asked questions1)
über den Castortransport aus Rossendorf nach Ahaus


1 am häufigsten nicht gestellte Fragen


Was hatten die Menschen von dem Reaktor, aus dem der "Atommüll" gekommen ist?

Der Reaktor RFR (Rossendorf Forschungsreaktor) diente der Forschung mit Neutronenstrahlung (ähnlich dem vor kurzen in Betrieb gegangenen FRM-2 in München) und der Isotopenproduktion für Medizin und Technik. Da ist es hauptsächlich die Versorgung der medizinischen Einrichtungen mit radioaktiven Stoffen für die Diagnose und die Therapie, die unmittelbar für das Allgemeinwohl wirksam wurde.

Ein prominentes Beispiel - Molybdän-Technetium-Generatoren:

Molybdän-99 wird aus der Aufbereitung kleiner Mengen abgebrannten Spaltstoffs gewonnen (Rossendorf hatte hierfür eine Mini-Aufbereitungsanlage, die sogenannte AMOR) und in spezielle Container gebracht. Dort zerfällt es radioaktiv in ein anderes, kurzlebiges und deshalb für die medizinische Diagnose gut geeignetes Nuklid: Technetium-99m. In der Klinik kann aus dem "Technetium-Generator" genannten Abschirmcontainer nun über einen längeren Zeitraum das gewünschte Nuklid gewonnen werden, und dass obwohl es so kurzlebig ist. Vielen Tausenden Menschen ist damit geholfen worden, denn technetiumhaltige Radiotracer sind leistungsfähige Radiodiagnostika.

Diese Methode ist nach wie vor eines der Arbeitspferde der Radiomedizin weltweit, nur dass der Stoff nicht mehr aus Rossendorf kommt. Ein früherer Konkurrent, ein Reaktor in Kanada, hat nun praktisch das Monopol (75 % allen weltweit verwendeten Technetiums kommt von dort) und dort kaufen jetzt auch die deutschen Kliniken ein. Der nukleare Abfall der bei der Produktion anfällt, fährt nun über kanadische Straßen. Da fällt uns aber ein Stein vom Herzen.....

Wie unkalkulierbar ist das Risiko des Transports?

Es ist unkalkulierbar klein. Transporte radioaktiver Stoffe, darunter auch der von abgebrannten Brennelementen, finden weltweit nahezu täglich statt. Die Technik, und dazu gehört auch der Castor-Behälter, hat sich dabei bewährt.

Welchen Vorteil bringt der Abtransport des "Atommülls"?

Die Lagerkosten reduzieren sich erheblich, weil der Abfall zusammen mit dem aus anderen Forschungsreaktoren zentral in Ahaus aufbewahrt wird. Das ist viel billiger, als einzelne, standortnahe Zwischenlager. Nebenbei gesagt, zahlt Sachsen schon seit 1995 die Miete für die Castor-Stellplätze in Ahaus.

Jemand könnte auf die Idee kommen, die Kosten von Polizeieinsätzen während der Transporte gegenzurechnen. Das halten wir aber für ungerecht, denn wo bleibt da das Verursacherprinzip? Außerdem: Die Atomkraftgegner könnten ja Vernunft annehmen und aus Solidarität mit dem armen östlichen Bundesland den Transport schützen, anstatt ihn zu behindern.

Warum sind Polizeieinsätze bei den Transporten notwendig?

Atomkraftgegner sehen in der Blockade von Atommülltransporten eine effiziente Möglichkeit, Schlagzeilen zu machen und so die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Eine Blockade, die mit Polizeieinsatz aufgelöst werden muss, ist in dieser Hinsucht weit effektiver, als eine normale Demonstration. Die Polizei muss letztlich die Blockierer beiseite tragen, um dem Gesetz Geltung zu verschaffen (die Transporte sind staatlich genehmigt). Bei dieser Gelegenheit kommt es zur physischen Berührung zwischen Polizei und Demonstranten. Das sind Szenen, die von den Medien wesentlich lieber aufgegriffen werden, als z.B. Pressemitteilungen der Kerntechnischen Gesellschaft. Würden sich die Demonstranten aufs reine Demonstrieren beschränken, könnte man folglich auf die Polizei verzichten.

Warum behindern Atomkraftgegner Atommülltransporte, wenn sie sie für gefährlich halten?

Das begreift keiner. Wie schon gesagt: Eigentlich müssten sie sie schützen.

Was haben die Mitarbeiter von Rossendorf vom Abtransport der Brennelemente?

Sie helfen dem Freistaat Sachsen und auch Deutschland insgesamt Geld zu sparen, denn wenn abgebrannte Brennelemente aus Forschungsreaktoren zentral gelagert werden können, kostet das weniger, als wenn mehrere Lager an verschiedenen Orten gleichzeitig betrieben werden müssen.

H.-M. Prasser


Letzte Änderung: 30.06.2006

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