Aus Anlass des 20-jährigen Betriebes des ZLFR veranstaltete der Fachbereich Maschinenwesen derHochschule Zittau/Görlitz gemeinsam mit der Sektion Sachsen der KTG am 18./19. Juni 1999 in Zittau ein Kolloquium. Unter den etwa 60 Teilnehmern waren zahlreiche Absolventen, die an der Hochschule Zittau/Görlitz ein Studium der Kerntechnik abgeschlossen haben und die heute in den verschiedenen Bereichen von Wirtschaft, Behörden und Gutachterorganisationen tätig sind.
In seiner Begrüßunsrede unterstrich der Kanzler der Hochschule, Dr. Reinhold, dass der ZLFR ein wichtiges Instrument bei der Ausbildung der verschiedensten Studienrichtungen darstellt. Den Festvortrag hielt der Vorsitzende der KTG, Prof. Knorr. Er sprach zur gegenwärtigen Situation der Kerntechnik in Deutschland. An die Betreiber deutscher Kernkraftwerke apellierend betonte er, dass die Kompetenzerhaltung auch ein wichtiges Merkmal der Sicherheitsvorsorge beinhaltet. Reminiszenzen an die in der damaligen DDR auch nicht leichten Gründerjahre weckte Prof. Hampel in seinem Vortrag, gewürzt mit Episoden aus den ersten Betriebsjahren des ZLFR. Der Leiter des ZLFR, Prof. Mehner, erläuterte die vielseitigen experimentellen M&oouml;glichkeiten des Nulleistungsreaktors für die studentische Ausbildung und wies auf die Reserven für die Weiterbildung des Personals deutscher Kernkraftwerke hin. Diese Möglichkeiten sind voraussichtlich noch bis zum Juni des Jahres 2005 gegeben, denn bis zu diesem zeitpunkt läft die Betriebsgenehmigung des ZLFR.
Als Gast von den Sozialwissenschaften sprach Frau Prof. Blin zum Thema "Möglichkeiten und Grenzen von Experiment und computersimulation aus didaktischer Sicht". Obwohl Simulationen gegenüber Experimenten einige Vorteile hinsichtlich Flexibilität, individuelle Problemstellungen und letztendlich auch der Kosten haben, sind selbst durchgeführte Experimente von höchstem Stellenwert, denn sie bleiben z.B: im Gegensatz zu rein mündlich vermitteltem Wissen zu 90 Prozent im Gedächtnis haften. Darüber hinaus vertieft die emotionale Komponente den Erfolg der beabsichtigten Wissensvermittlung. Der Vortrag regte viele Teilnehmer an, sich einmal intensiver mit didaktischen Fragen der Wissensvermittlung auseinanderzusetzen. Die für die Weiterbildung des Betriebspersonals der deutschen Kernkraftwerke Verantwortlichen sollten diese sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse stärker berücksichtigen und die noch wenigen in Deutschland beheimateten experimentellen Möglichkeiten in größerem Umfang in die Weiterbildungskurse einbeziehen.
Herrr Dipl.-Phys. Grantz berichtete über ein an der Hochschule bearbeitetes Forschungsvorhaben, in dem der ZLFR als intensive Neutronenquelle zur Argon-Aktivierung genutz wird, um über diesen Weg Untersuchungen zum Diffusionsverhalten radioaktiver Edelgase, insbesondere von Radon, in Bauwerksabdichtungen auszuführen. Weitere an der Hochschule laufende kerntechnische Forschungsarbeiten sind am Institut für Prozesstechnik, Prozessautomatisierung und Messtechnik, einem Aninstitut der Hochschule, konzentriert. Prof. Lischke nutzte die Gelegenheit, den zahlreichen auswärtigen Teilnehmern des Kolloquiums das Institut vorzustellen. Als Beispiele für die Arbeiten des Instituts auf dem Gebiet der Reaktorsicherheitsforschung berichtete er über die experimentellen und theoretischen Untersuchungen zur Validierung des Thermohydraulikcodes ATHLET, während Dr. Kästner die Anwendung modellgestützter Messverfahren unter Einbeziehung wissensbasierter Methoden (Fuzzy-Logic) zur Füllstandsmessung in Druckbehältern zeigte.
Viele der Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, den ZLFR und die kerntechnischen Versuchsstände am darauffolgenden Tag zu besichtigen. Interessenten der aus diesem Anlass herausgegebenen Broschüre fwenden sich bitte an Prof. Hans-Christoph Mehner.